Gerade gelesen: Reinhart Kößler / Henning Melber – Völkermord – und was dann? Die Politik deutsch-namibischer Vergangenheitsbewältigung

Im Nachgang zu der Vorstellung des Buches „Die Deutschen und ihre Kolonien“, über die ich geschrieben hatte, wurde mir gleich mehrfach sozusagen als Gegengift der Titel „Völkermord – und was dann?“ empfohlen. Ich habe es gelesen, und tatsächlich: bei dieser Lektüre habe ich tatsächlich viel Neues erfahren.

Die Autoren informieren nicht nur umfassend über den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der namibischen und der deutschen Regierung zum Umgang mit dem Völkermord an den Herero und Nama, sie zeichnen auch die Hintergründe nach. Wie kam es überhaupt zum deutsch-namibischen Krieg? Welche verschiedenen Momente lassen sich im Ablauf der laufenden Verhandlungen beobachten? Und warum ist es gerechtfertigt, von einem Völkermord zu sprechen? All diese Fragen werden erschöpfend behandelt.

Dass die Ereignisse eindeutig der Völkermord-Definition der UN entsprechen, zeigen die Autoren anhand zeitgenössischer Dokumente auf. So schrieb Lothar von Trotha, Kommandeur der „Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika“, zwei Tage nach seinem Vernichtungsbefehl an den Chef des Generalstabs der Armee, Graf von Schlieffen: Weiterlesen

Busen, Schlitze und Würgreflexe an der Gemüsetheke

„Verwenden Sie jetzt keinen Backofenreiniger! Das kann auch mal Ihr Partner machen.

„Für die Väter ist es eine große Herausforderung: Jetzt müssen sie den geliebten Hobbyraum zum Kinderzimmer umbauen.“

Schwanger zu sein hat mir eine ganze Reihe neuer Erfahrungen eingebracht, auf die ich schlecht vorbereitet war. Ich habe Dinge gelernt, die ich nie vermisst habe und die ich möglichst schnell wieder vergessen werde. Ich wusste weder, dass es Ofenreiniger gibt, noch, dass im Normalfall Frauen* für seine Benutzung zuständig sind – außer in der Schwangerschaft.

Ich wusste nicht, dass alle Männer* einen Hobbyraum haben und lieben sollten und für die Einrichtung (nein, nur die Tapezierung) des Kinderzimmers zuständig sind.

Ich wusste auch nicht, dass Männer* darauf hingewiesen werden müssen, dass sie sich manchmal nach dem Befinden ihrer Partnerin erkundigen sollten. Ich wusste nicht, dass das nur gilt, wenn die Partnerin schwanger ist.

Ich wusste nicht, dass in den Augen von Krankenkassenangestellten angehende Eltern IMMER aus einer Mutter und einem Vater bestehen – und in wenigen Einzelfällen nur aus einer bemitleidenswerten Mutter. Weiterlesen

Beschwerde an die Berliner Landeszentrale zur Buchvorstellung „Die Deutschen und ihre Kolonien“

Ich dokumentiere hier meine Beschwerde zu einer Veranstaltung in der Berliner Landeszentrale für politisische Bildung und die Reaktion darauf.

Meine Mail vom 13.04.2017 an die Landeszentrale, den Bebraverlag und den Kultursenator

Sehr geehrter Herr Gill, sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um eine Stellungnahme zu einer von Ihnen durchgeführten
Veranstaltung, die ich besucht habe und von deren Inhalt ich entsetzt
bin.

Am 11. April habe ich die Buchvorstellung „Die Deutschen und ihre
Kolonien“ mit den Herausgebern Prof. Horst Gründer und Prof. Hermann
Hiery in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung besucht
(www.berlin.de/politische-bildung/veranstaltungen/buchvorstellung-die-deutschen-und-ihre-kolonien)


Ich hatte mich gefreut, dass ein umfassendes Werk mit Aufsätzen
verschiedener Historiker*innen zur Geschichte des deutschen
Kolonialismus erschienen ist und durch die Präsentation in der
Landeszentrale Aufmerksamkeit erhält. Denn dieser Teil der deutschen
Geschichte ist in Schulunterricht und Medien sowie im öffentlichen
Bewusstsein viel zu wenig präsent und wird in erster Linie von
antirassistischen Initiativen und Selbstorganisationen Schwarzer
Menschen in Deutschland thematisiert. Ich hatte mir von der
Veranstaltung in erster Linie einen persönlichen Wissenszuwachs zu
diesem Thema erhofft, aber auch öffentliche Aufmerksamkeit für die
deutsche Kolonialgeschichte und die heutige Verantwortung dafür.

Die Buchvorstellung selber hat mich dann aber zutiefst verstört und
veranlasst mich zu dieser öffentlichen Beschwerde. Weiterlesen

3. Genderforum Magdeburg: FairSprechen. Sprache und Gleichstellung

Am 09. November 2016 spreche ich darüber auf einer Veranstaltung der Leitstelle für Frauen- und Gleichstellungspolitik im Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt

Die Ankündigung:

Das Thema des diesjährigen Forums lautet „FairSprechen. Sprache und Gleichstellung“. Als Vortragende konnte die  Expertin, Autorin und Journalistin Claire Horst gewonnen werden.

Die  Veranstaltung richtet sich vor allem an Leitungsverantwortliche und interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesverwaltung und  ihrer Geschäftsbereiche, an Vertreterinnen und Vertreter aus Land und Kommunen, an Verantwortliche aus Universitäten und Hochschulen sowie an Beauftragte für Gender Mainstreaming und Gleichstellungsbeauftragte.

Es wird um Anmeldung bis zum 28. Oktober 2016 über folgendes Dokument gebeten: Flyer

Workshops auf der LiMA 2016: Noch freie Plätze

Wie jedes Jahr gebe ich auch im August 2016 wieder zwei Workshops auf der Linken Medienakademie, die dieses Mal den Schwerpunkt „Gendermania“ hat.

Linke Medienakademie

#1: Diskriminierungssensibles Schreiben

Aus einem Polizeibericht: „Der Afrikaner sprach akzentfrei Deutsch.“ Wer Schwarz ist, kommt aus Afrika? Manchmal wird erst beim zweiten Lesen deutlich, welche Vorurteile sich in bestimmten Wörtern und Sätzen verbergen. In dem Workshop gehen wir diesen Vorurteilen auf den Grund und untersuchen ihre Auswirkungen auf Texte. Wie lassen sich Zuschreibungen und Ausschlüsse in Texten reduzieren? … weiterlesen

# 2: Kritisches Schreiben
Was meinen wir eigentlich, wenn wir von „kritischem“ Denken, „kritischem“ Schreiben sprechen? Ist kritisches Schreiben eine Frage der Technik oder der Haltung? In dem Workshop soll viel diskutiert, aber natürlich auch eigene Texte verfasst werden.

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“. Dieses abgewandelte Zitat eines Tagesthemen-Moderators wird oft als journalistischer Leitsatz formuliert. Gibt es aber wirklich einen „objektiven“ Journalismus? Der Workshop soll dazu anregen, sich mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen und Texte kritisch zu lesen und zu schreiben. Diskutiert werden Fragen wie: … weiterlesen

Jetzt online: Juna e.V. – jung, unbegleitet, nicht allein

Frisch gegründet ist der Verein Juna e.V., in dem auch ich engagiert bin.

Ziel des Vereins ist die Unterstützung und Vernetzung von Menschen, die sich für unbegleitete jugendliche Geflüchtete einsetzen. Neben Lobbyarbeit auf der politischen Ebene wird ein Wiki entstehen, das Fachwissen zur Unterstützungsarbeit gebündelt darstellt und laufend aktualisiert wird: http://juna-ev.de/wiki/

Neue Mitwirkende, Vereinsmitglieder, Unterstützer*innen sind willkommen!

Mehr Info unter http://juna-ev.de/

Aus der Selbstbeschreibung:

„Auch wenn unbegleitete Kinder und Jugendliche bis zur Volljährigkeit einen besonderen Schutz genießen, ist ihre Lage prekär. Viele von uns, die JUNA e.V. gegründet haben, sind als Vormund tätig und wissen daher, wie schwierig es ist, einem Mädchen oder Jungen eine sichere Gegenwart und Zukunft zu eröffnen. Wir kämpfen gegen Abschiebung, suchen Schul- und Ausbildungsplätze, sorgen für therapeutischen Beistand, helfen bei der Suche nach einer passenden Jugendhilfeeinrichtung und später nach einer Wohnung. Dabei helfen uns Initiativen wie AKINDA in Berlin, die ehrenamtliche Vormünder schulen, vermitteln und begleiten.

Zugleich aber wissen wir, dass unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge keine ausreichende Interessenvertretung in der Politik haben und dass die Regeln, nach denen sie aufgenommen, versorgt, gefördert und geschützt werden, nicht genügen. Zudem fehlt es an Vernetzung all jener Menschen, die sich auf verschiedene Art und Weise für diese Kinder und Jugendlichen einsetzen – sei es als Vormund, als Lehrende, Auszubildende, Parlamentsabgeordnete oder in anderen Bereichen unserer Gesellschaft. Diese Lücke wollen wir mit unserer Vereinstätigkeit schließen.“

Buchmesse 2016: Literarische Migration in Europa?

Ich freue mich sehr darauf, eine Veranstaltung des Literaturübersetzerverbandes VdÜ auf der Frankfurter Buchmesse 2016 zu moderieren.

Mit den Übersetzerinnen Brigitte Große und Bettina Bach sowie der Schriftstellerin Yoka Tawada werde ich über den Einfluss von Einwanderung auf die Literaturen Europas diskutieren. Welche sprachlichen, formalen, inhaltlichen, thematischen Einflüsse und Wechselwirkungen gibt es? Welche persönlichen Erfahrungen machen die Podiumsteilnehmerinnen beim Übersetzen und Schreiben? Ich bin gespannt!

Donnerstag, 20.10.2016
13.00 – 14.00 Salon
Literarische Migration in Europa?
Podiumsdiskussion
Deutsch
Frankreich, Belgien, die Niederlande haben eine lange Geschichte der Immigration
und zahlreiche eingewanderte Stimmen in der Literatur. Wie wirkt sich das auf die
literarische Sprache, die literarische Gemeinschaft aus? Was geschieht beim
Übersetzen solcher Literatur? Und wie sieht es im deutschsprachigen Raum aus?
Übersetzerinnen und Autorinnen diskutieren.
Teilnehmerinnen:
Brigitte Große (Hamburg) übersetzt aus dem Französischen, u.a. Linda Lê und Kim
Thúy
Yoko Tawada (Berlin), geboren in Tokio, lebt seit 1982 (meist) in Deutschland,
schreibt auf Deutsch und Japanisch (u.a. Wo Europa anfängt, Überseezungen)
Bettina Bach (Jena) übersetzt aus dem Niederländischen, u.a. Mano Bouzamour
und Maria Dermoût
Moderation: Claire Horst hat über Raum- und Körperbilder in der Migrationsliteratur
geschrieben und ist Kulturmanagerin, Autorin und Lektorin

 

Mehr zum Übersetzerverband hier: https://literaturuebersetzer.de/, zur Buchmesse hier: http://www.buchmesse.de/de/fbm/.